Das kleine Ding, das mal leichter, mal schwerer zu tragen ist, das einen Willen hat und uns beeinflussen kann. Der zerstört werden muss, direkt im Feindesland.
Manchmal scheint es tatsächlich, als ob jeder seinen eigenen Ring hat. Eine Bürde und eine damit verbundene Aufgabe. Eine Herausforderung und eine Versuchung. Unser Schatz und unser Fluch.
Was passiert, wenn man den Ring aufsteckt? Man wird sichtbar für das Böse und unsichtbar für alles andere. Man ist sein eigener Herr der Ringe, dabei gibt es nur einen einzigen! Man fühlt sich frei und merkt nicht, dass man Sklave des Ringes wird.
Bilbo bemerkt lange nicht, wie der Ring immer mehr Platz in seinem Kopf einnimmt und ihn selber beherrscht. Er weiß nicht, woher die unguten Gefühle kommen, das „ausgemergelt“ sein. Die Müdigkeit. Von außen sieht alles toll aus – er erfreut sich einer unendlich währenden Jugend, der Ring verleiht ihm sozusagen Leben. Doch das ist eine Lüge. Es scheint nur so. In Wahrheit schwindet er dahin.
Ist das nicht genauso bei uns? Wir glauben doch zu gerne die Lügen und geben uns der Versuchung hin. Das nennen wir dann das Leben, aber innerlich fühlen wir uns leer und ausgemergelt. Unendliche Jugend hin oder her, innerlich gehen wir gebückt und alt.
Doch dann passiert etwas, von dem er selber nicht gedacht hätte, das es geschehen würde: Er gibt ein großes Fest und verteilt alle möglichen Geschenke und denkt, so kann er den Ring auch leichter hergeben, aber irgendetwas hält ihn davon zurück und er wird wütend, beschuldigt Gandalf des Diebstahls und denkt, er will ihm das Gute verbieten und den Ring für sich selber haben. Da versucht Gandalf mit aller Liebe und Macht, Bilbo vom Gegenteil zu überzeugen – und schafft es gerade mal so. Bilbo gibt den Ring her, lässt ihn gehen, überlässt ihn Frodo. Und nachdem er ihn losgelassen hat, ist er erleichert wie nie zuvor. Er hat den Fluch besiegt, in dem er sich selbst verleugnet hat, nicht seinen eigenen Vorteil gesucht hat, sondern sich selbst aufgegeben hat.
Wenn ich mir mal kurz das Recht rausnehmen dürfte, Gandalf mit Jesus zu vergleichen, dann sehe ich mich selber in dem alten Hobbit wieder. Jesus verbiete mir doch das Gute, das Beste und Teuerste. Immer will er alles für sich selber und gibt mir gar nichts. Irgendwie ungerecht. So denke ich leider viel zu oft, dabei müsste ich den Ring nur gehen lassen und ich wäre wieder ein Sklave der Freiheit, ein Sklave Jesu, mit einem leichten und einfachen Joch…